Association
Internationale
d’Attelage de Tradition

Mit Respekt für die Vergangenheit,
denkende an die Zukunft

Das Gespann

Der Vierspänner, beschrieben von Crafty

Allzu oft vergisst man den Eindruck, den der Gesamtanblick eines Vierspänners in voller Fahrt hervorruft. Die Wirkung eines lebenden Bildes – wohlproportioniert und aufeinander abgestimmt, aus Pferden, Wagen, Geschirr und tadellos gekleideten Insassen – ist die eines Meisterwerks abgestimmter Details, das nur Kenner voll würdigen können. Doch Harmonie, Rhythmus und Farbabstimmung, das Ergebnis monatelanger Ausbildung und Hingabe, sowie die verborgene Freude der Beteiligten wecken ein besonderes Gefühl, an dem jeder auf seine Weise teilhaben kann. Die flüchtige Befriedigung und die ständige Konzentration, die ein vollkommenes Gespann hervorrufen kann, sind beinahe eine „Freude für immer“ und gewiss ein seltenes … und mitreißendes Erlebnis.
(Crafty, Paris, Bois de Boulogne, 1890)

Fahren in Vollendung, von Jean-Louis Libourel

Im Stand wie in der Bewegung muss jeder angespannte Wagen den optischen Eindruck einer abgestimmten Einheit vermitteln.
Dieser Eindruck, ob angenehm oder nicht, bestimmt die Qualität des Ganzen. Der Gesamteindruck, der Menschen, Pferde, Geschirr und Wagen vereint, ist entscheidend.

Die Harmonie, die aus der sorgfältigen Zusammenstellung der einzelnen Elemente entsteht (Geschirr, Farbe, Größe, Proportionen, Kleidung, Restaurierung usw.), erzeugt den gewünschten Eindruck. Und diese Harmonie muss natürlich auch für die Zusammenstellung der Pferde, die Proportionen des Wagens sowie die Qualität von Leder, Zäumen und Schnallen gelten.

Es zählt nicht die Eleganz allein, sondern die Synthese der Elemente und ihre vollkommene Abstimmung. Die einzelnen Details müssen in dieser so gesuchten Stimmigkeit, Ausgewogenheit und Abstimmung aufgehen; Geschmeidigkeit und Zusammenspiel, Ergebnis langer Arbeit und gegenseitigen Verständnisses, vollenden das perfekte Ganze.

Die Kleiderordnung, von Richard James

Wie kleidet man sich für Traditionsturniere?
Von Anfang an hat die AFA festgelegt, dass Wagen und Geschirre aus dem 19. Jahrhundert stammen. Die Kleidung hingegen soll aus dem 21. Jahrhundert sein: keine historischen Kostüme, sondern elegante und dezente, moderne Kleidung für Fahrer und Fahrgäste, jedoch passend zum Wagen, ob sportlich oder städtisch. Kutscher und Grooms sind traditionell gekleidet.
Die Regeln gelten gleichermaßen für Ponys, Sportpferde, Kaltblüter oder Esel. Ausnahmen bilden regionale Anspannungen, die nach der Tradition ihrer Region gekleidet sind, etwa im Elsass oder in der Bretagne.

Fahrer und Fahrerinnen
Sie sollten passende Kleidung wählen, die mit der Farbe des Wagens harmoniert. Fahrerinnen sollten zu enge oder zu lange Röcke vermeiden, die beim Ein- und Aussteigen unpraktisch sind, ebenso hohe Absätze – meist ist es eine Frage des gesunden Menschenverstands.

Auf einem Stadtwagen, Phaeton, Break oder Dogcart trägt der Herr üblicherweise einen dunklen oder grauen Anzug, Hemd mit Kragen und dezente Krawatte. Die Damen tragen ein Kostüm mit Rock oder Hose.

Auf einem ländlichen Wagen (Ralli-Car, Meadowbrook, Market Cart usw.) passen für den Herrn Tweed, Sakko und verschiedene Hosen, aber stets mit Kragen und Krawatte; für die Damen ein dezentes, bequemes Landkostüm.
Bestimmte Accessoires sind jedoch für Herren wie Damen Pflicht: Hut, Handschuhe, Beinbedeckung (Decke oder Schürze), Peitsche usw.

Hüte
Passend sind ein weicher Hut oder eine Melone (schwarz für die Stadt, braun fürs Land), ebenso Strohhüte vom Typ Panama oder bei schönem Wetter sogar die Kreissäge (Canotier).
Der Zylinder, schwarz oder grau, ist den großen Wagen wie Coach, Roof Seat Break, Mail Coach usw. vorbehalten. Er wird nicht empfohlen beim Fahren von Ponys, Einspännern oder Pferden im Brustblatt.
Die Melone passt zu allen Wagen, die Jagdkappe hingegen zur Jagdkleidung beim Fahren eines Dogcarts oder Jagdphaetons.

Fahrer und Fahrerinnen tragen Lederhandschuhe in Naturfarbe.

Der Fahrer sollte eine Schürze oder Knie-Decke tragen, mit einem Riemen befestigt, die bis etwa 20 cm über die Schuhe reicht, aus einem zum Wagen passenden Stoff. Für die Fahrgäste ist eine Decke vorzusehen. Bei ländlichen Anspannungen kann sie im Schottenmuster oder kariert in zum Wagen passenden Farben sein.
Im Sommer genügt eine Decke, die gerade die Knie bedeckt.

Die Peitsche hat für ein oder zwei Pferde oder Ponys denselben Stil, muss aber lang genug sein, um die Schulter des Pferdes zu erreichen.
Heute haben viele Peitschen einen mit Leder überzogenen Metallkern, was früher nicht der Fall war. Die traditionelle Stechpalmenpeitsche hat eine Gänsekielspitze, einen weißen Lederschlag und einen kleinen Schmitz aus Schnur.
Die ungarische Peitsche hat einen Schlag, der mit einer doppelten Lederöse am Stock befestigt ist, und wird nur bei ungarischen Wagen verwendet.
Die englische Stechpalmenpeitsche ist die eleganteste und wird ein-, zwei- oder vierspännig verwendet.

Beim Vierspänner erfordert sie großes Geschick, um wirksam zu sein. Bei Traditionsturnieren ist die Teleskoppeitsche nicht erlaubt.

Fahrgäste und Grooms
Der Groom ist fester Bestandteil des Gespanns. Der Begriff löst wegen seiner sozialen Konnotationen manchmal Diskussionen aus; er ist ein historischer Ausdruck, ebenso alt wie Kutscher oder Fahrer. Bei vielen unserer Turniere übernimmt oft ein Freund oder Verwandter die Rolle des Grooms, und es ist nicht immer leicht, ihn traditionell zu kleiden, sofern er nicht regelmäßig teilnimmt.
Bei vielen Turnieren kann ein Fahrgast als Groom fungieren und sich entsprechend kleiden. Damen sollten dann weder hohe Absätze noch enge Röcke tragen, da sie unter Umständen schnell absteigen müssen, um ein Pferd zu halten – Sicherheit geht vor.
In jedem Fall tragen sie Lederhandschuhe, Hut und Knie-Decke.

Bei einem ländlichen Wagen kann der Groom Reitkleidung tragen.
Auf großen Wagen wie Breaks, Jagdphaetons und Coaches ist die traditionelle Livree die Regel, ebenso bei einem Familienwagen.

Groom und Kutscher

Heute fährt oft der Besitzer der Pferde selbst, und seit dem 19. Jahrhundert folgen die Franzosen der englischen Schule: Sie fahren englisch, im Kumt.
Das ist die klassische Anspannung für Wagen wie Landauer, Brougham, Victoria usw.
Die formelle Livree ist ein schwarzer Rock oder einer in den Familienfarben, mit fünf, vier, zwei oder keinen Knöpfen an den Ärmelaufschlägen und vier Knöpfen auf dem Rücken (für den Leibkutscher, der die Leinen übernehmen kann) oder sechs (für die Grooms).
Beim Vierspänner steht der Leibkutscher bei stehendem Wagen bei den Stangenpferden, der Groom an den Köpfen der Vorderpferde.
Kutscher und Grooms tragen gelbe oder weiße Wildlederhosen ohne die Verstärkungen einer Reithose.
Beide tragen schwarze Stiefel mit braunen Stulpen, Newmarket-Krawatte oder Plastron und braune oder naturfarbene Lederhandschuhe.
Getragen wird ein schwarzer Zylinder; die Kokarde ist dem Personal von Offizieren, diplomatischem Corps und dazu berechtigtem Adel vorbehalten.

Fahrgäste
Die Fahrgäste kleiden sich üblicherweise dezent und in Harmonie mit Wagen und Pferden.

Uniformen

Uniformen tragen nur militärisches oder paramilitärisches Personal sowie Gestütspersonal.

Grüßen

Amateurfahrer nehmen den Hut mit der rechten Hand ab, die Peitsche in der linken, und halten den Hut aufrecht.
Damen halten Leinen und Peitsche in der linken Hand und senken den rechten Arm mit der Handfläche nach oben oder grüßen mit einem Kopfnicken.
Berufskutscher grüßen, indem sie die Peitsche senkrecht vor sich halten.
Grooms grüßen nicht.
Bei offiziellen Zeremonien und Nationalhymnen halten die Gespanne an und bleiben regungslos stehen. Alle Herren nehmen die Kopfbedeckung ab, außer den Grooms, die bei den Pferden stehen und ihre volle Aufmerksamkeit den Pferden widmen müssen.